Noch sind Ferien. Aber bald beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Sie wechseln auf eine weiterführende Schule. Nur leider nicht immer auf die Schule oder Schulform, die sich ihre Eltern für sie ausgesucht haben.
Dabei treffen Eltern diese Entscheidung nicht mal eben. Sie besuchen Schulen, gehen zu Informationsabenden, führen Beratungsgespräche und vergleichen die verschiedenen Angebote. Doch im Anmeldeverfahren zeigt sich, dass diese sorgfältig getroffene Entscheidung am Ende nur wenig zählt.
Wo liegt das Problem?
Bis zum Schuljahr 2019/2020 wurden die Anmeldungen an den Gesamtschulen vorgezogen. Eltern konnten ihr Kind zunächst dort anmelden. Wurde es abgelehnt, hatten sie anschließend noch die Möglichkeit, sich an einer anderen weiterführenden Schule neu zu orientieren.
Seit 2020 finden alle Anmeldungen gleichzeitig statt. Wer eine Ablehnung von einer Gesamtschule erhält, kann anschließend nur noch unter den Schulen wählen, an denen Plätze übrig geblieben sind.
Was macht man als Eltern? Geht man das Risiko ein? Oder meldet man sein Kind gleich an einer anderen Schulform an, obwohl diese gar nicht der eigentliche Erstwunsch ist? Manche Eltern entscheiden sich strategisch. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Sorge, am Ende ohne vernünftige Alternative dazustehen.
Die Schulentwicklungsplanung
Die Schulentwicklungsplanung soll vorhersagen, wie viele Schüler künftig welche Schulen und Schulformen besuchen werden. Dabei werden unter anderem die Bevölkerungsentwicklung und die bisherigen Schülerzahlen betrachtet. Anschließend wird prognostiziert, wie sich die Schüler auf die einzelnen Schulen und Schulformen verteilen. Am Ende folgt der Vergleich mit den vorhandenen Klassen und Plätzen.
Klingt logisch. Hat aber einen Haken.
Die tatsächliche Verteilung der Schüler wird durch das vorhandene Platzangebot beeinflusst. Wo es nur eine begrenzte Zahl an Gesamtschulplätzen gibt, können auch nur entsprechend viele Kinder dorthin wechseln. Die abgelehnten Kinder besuchen anschließend eine andere Schulform und erscheinen dort in der Statistik.
Hinzu kommen Eltern, die das Risiko einer Ablehnung vermeiden wollen und ihr Kind deshalb möglicherweise gleich an einem Gymnasium oder einer Realschule anmelden.
Dann stellt die Prognose fest: Wir brauchen mehr Plätze an Gymnasien und Realschulen.
Aber vielleicht würden sich einige dieser Eltern für eine Gesamtschule entscheiden, wenn es dort genügend Plätze gäbe. Genau das kann die Prognose nicht beantworten.
Braucht Remscheid eine dritte Gesamtschule?
Für eine zusätzliche Gesamtschule müssten mindestens vier Eingangsklassen mit jeweils 25 Schülern gebildet werden. Das sind 100 Schüler pro Jahrgang. Dieser Bedarf müsste mindestens fünf Jahre lang gesichert sein.
Im von der Verwaltung als realistischer bewerteten Szenario wird diese Zahl nicht erreicht.
Offen bleibt aber die entscheidende Frage: Wie viele Eltern würden sich für eine Gesamtschule entscheiden, wenn dort genügend Plätze vorhanden wären und eine Ablehnung nicht mit dem Verlust anderer Wahlmöglichkeiten verbunden wäre?
Jetzt sollen die Eltern befragt werden
Eine Elternbefragung soll nun untersuchen, welche Schulen und Schulformen Eltern bevorzugen, welche Erfahrungen sie mit dem Aufnahmeverfahren gemacht haben, und welche zweiten und dritten Wünsche bestehen.
Kosten: 107.100 €. Der Abschlussbericht soll im Juni 2027 vorliegen.
Kann eine Befragung hilfreich sein? Natürlich.
Aber eine vergleichbare Befragung in Köln zeigt das Problem. Dort beteiligten sich 15,93 Prozent der Eltern. Vollständig ausgefüllt wurden nur rund 13,6 Prozent der Fragebögen. Der Untersuchungsbericht weist selbst auf Zweifel an der Repräsentativität hin.
Was wäre zu tun?
Aus unserer Sicht sollte zunächst das Anmeldeverfahren geändert werden. Ein vorgezogenes Verfahren schafft noch keinen zusätzlichen Gesamtschulplatz, aber es gibt Eltern die Möglichkeit, sich nach einer Ablehnung rechtzeitig und in Ruhe neu zu orientieren. Vor allem könnten sie ihren Erstwunsch angeben, ohne befürchten zu müssen, anschließend nur noch zwischen den übrig gebliebenen Plätzen wählen zu können. Der Elternwille sollte sich auch in der Schulentwicklungsplanung widerspiegeln. Wenn die Stadt wissen will, was die Eltern wollen, sollte sie zuerst dafür sorgen, dass sie ihren Wunsch ohne taktische Überlegungen äußern können.
26-08-2026


