Der drohende Ärztemangel in Remscheid ist ein ernstes Problem. Um den entgegenzuwirken, möchte die Stadt jährlich zwei Medizinstudenten ab dem Physikum mit monatlich 1.000 € fördern. Jeder Stipendiat kann bis zu 60.000 € erhalten. Insgesamt sind bis 2036 maximal zwölf Stipendien mit einem Gesamtvolumen von 720.000 € vorgesehen.

Im Gegenzug sollen die geförderten Ärzte nach Studium und Facharztausbildung in Remscheid tätig werden. Laut Konzept muss diese Tätigkeit innerhalb von 12 Monaten nach der Facharztprüfung aufgenommen werden.

Kann die Stadt sicherstellen, dass dann auch ein passender Kassensitz vorhanden ist?

Bei den Hausärzten nennt das Konzept derzeit 14,5 rechnerisch freie Sitze. Welche Zulassungsmöglichkeiten nach Abschluss der Ausbildung der geförderten Ärzte bestehen werden, lässt sich heute jedoch nicht verlässlich vorhersagen.

Nach dem städtischen Konzept liegt der Versorgungsgrad bei den Kinder- und Jugendärzten auf Grundlage der Bedarfsplanungsdaten 2024/2025 bei 134,6 Prozent. Reguläre zusätzliche Kassensitze sind nach dieser Bedarfsplanung grundsätzlich nicht vorgesehen.

Ein geförderter Kinderarzt könnte sich daher nicht ohne Weiteres mit eigener Kassenzulassung in Remscheid niederlassen. Er wäre darauf angewiesen, einen bestehenden Kassensitz zu übernehmen, auf einem solchen angestellt zu werden oder darauf, dass die Bedarfsplanung künftig zusätzliche Sitze zulässt.

Wie die Situation 2035 oder 2036 aussehen wird, kann niemand vorhersagen.  Die Bedarfsplanung wird jährlich neu berechnet. Das städtische Konzept räumt ein, dass keine historische Entwicklung dargestellt werden kann und keine belastbaren Erkenntnisse über die Verbleibquote vergleichbarer Stipendienprogramme vorliegen.

Ein Blick auf die berufliche Realität wirft weitere Fragen auf: Bei den im Jahr 2023 neu niedergelassenen Hausärzten lagen nach der bundesweiten KWEX-Niedergelassenenbefragung durchschnittlich 14,90 Jahre zwischen Studienabschluss und Niederlassung. Zwischen dem ersten Facharztabschluss und der Niederlassung lagen durchschnittlich noch 6,13 Jahre. Das Remscheider Konzept verlangt dagegen die Aufnahme der Tätigkeit innerhalb von zwölf Monaten nach der Facharztprüfung.

Wenn Remscheid heute über 14,5 rechnerisch freie Hausarztsitze verfügt, warum richtet sich die Förderung nicht an bereits ausgebildete Hausärzte, die kurzfristig eine Praxis übernehmen oder sich hier niederlassen könnten?

Und wenn das Programm die Versorgung im Jahr 2035 sichern soll: Auf welcher belastbaren Grundlage lässt sich heute beurteilen, welche Zulassungsmöglichkeiten dann bestehen und wie hoch der tatsächliche Bedarf sein wird?

Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller, bereits fertig ausgebildete Haus- und Kinderärzte gezielt bei einer konkreten Niederlassung oder Praxisübernahme zu unterstützen.

Quellen: Drucksache 17/1157 der Stadt Remscheid

KWEX-Niedergelassenenbefragung 2024 des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

03-09.2026